Gewohnheiten. Und wie wir uns entwickeln.

Gewohnheiten bestimmen unser Leben.

Autor: Marcus Hein

Kennst Du das? Du nimmst Dir vor, ein bestimmtes Verhalten zu ändern und kehrst gleich oder sehr bald wieder in das alte Verhalten zurück? Gewohnheiten sind sehr stark, schwer zu verändern. Wie es dennoch und leichter gelingen kann, zeige ich Dir in diesem Artikel.

Unser Gehirn verbraucht etwa ein Viertel der gesamten Energie unseres Körpers, obwohl es nur 2 Prozent des Körpergewichts ausmacht. Dieses Energieproblem löst es dadurch, dass wir auf den synaptischen Autobahnen, also bei unseren Gewohnheiten, bleiben. Wir nennen das auch Komfortzone: Da kennen wir alles, da gibt es keine Überraschungen, wir kommen leicht und schnell zum Ergebnis.

Gewohnheiten sind synaptische Autobahnen

Gehirn und synaptische Autobahnen bestimmen unsere GewohnheitenDoch bei den Gewohnheiten zu bleiben verhindert jede Entwicklung, bei Dir und bei Deinen MitarbeiterInnen. Vielleicht ärgerst Du Dich sogar darüber, dass es immer noch nicht schaffst, jeden Morgen joggen zu gehen oder abends noch einen Spaziergang ums Viertel zu machen. Du willst Dich nicht mehr über das Eine ode Andere im Job aufregen, gelassener bleiben. Doch immer wieder rastest Du aus – natürlich zu Recht. Und “eigentlich” wolltest Du das ändern – schon längst.

Veränderungen von Gewohnheiten

Kann man denn Gewohnheiten überhaupt verändern? Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einem Abteilungsleiter Mitte der 1980er Jahre. Er kam morgens zur Arbeit, war ganz aufgeregt, Schweiß stand auf seiner Stirn und er erzählte mir, was geschehen war:

“Herr Hein, ich habe vor 14 Jahren das Rauchen aufgegeben. Das war ein heftiger Kampf, aber ich habe gesiegt. Heute Nacht bin ich nassgeschwitzt aufgewacht. Ich hatte geträumt, dass ich wieder eine Zigarre geraucht habe. Und da war wieder dieses unbändige Verlangen, die Sucht. Ich bin völlig fertig. Wie kann das nach so langer Zeit sein?”

Gewohnheiten akzeptieren

Wenn wir Gewohnheiten verändern wollen, ist der erste Schritt, dass wir die Gewohnheit akzeptieren. Sie ist ein Bestandteil unseres Ichs, es ist typisch für uns. Und – zumindest gehirnphysiologisch – macht diese Gewohnheit eine Menge Sinn. Dagegen anzukämpfen, macht die Gewohnheit meist nur noch stabiler und eine Veränderung kaum möglich.

Was willst Du statt Deiner Gewohnheit?

Die meisten sagen: Ich will gerne das Rauchen aufgeben. – Ich frage dann oft: Was willst Du stattdessen. – Meist ist die Antwort: Nicht mehr Rauchen. Die Zielvorstellung ist immer mit dem Rauchen verknüpft. Das Rauchen aufzugeben wird dann erfolgreicher, wenn das Ergebnis in einer positiven Formulierung beschrieben ist. Beispiele dazu:

  • Ich gehe zwei Etagen anstrengungsfrei die Treppe hinauf.
  • Ich kann wieder Joggen gehen.
  • Ich rieche wieder die Düfte der Natur oder eines leckeren Essens.
  • Ich schmecke die geschmacklichen Unterschiede verschiedener Gewürze oder Weinsorten.

Feedback und Neurologische Ebenen - Basis der VeränderungsarbeitGewohnheiten verändern mit den Neurologischen Ebenen

Unser Verhalten ist in verschiedene neurologische Ebenen eingebettet. Robert Dilts hat diese Ebenen entwickelt bzw. formuliert und in seiner Coaching-Praxis Abhängigkeiten zwischen den Ebenen ausgemacht. Ich beschreibe die verschiedenen Ebenen anhand des Beispiels Rauchen. Du kannst das sicher auf jede andere Thematik anpassen.

1. Ebene: Umgebung

Die “unterste” Ebene ist die Umgebung. Ich bin als Raucher zum 1. April 1990 in die Holding gewechselt. In der Stelle davor saß ich in einem Büro mit acht KollegInnen, von denen sechs rauchten – natürlich damals noch im Büro. In meinem neuen Büro saß ich mit einer Nicht-Raucherin zusammen, der Chef im Nachbarbüro – niemand rauchte. Ich auch nicht. Die Umgebung hatte also massiven Einfluss auf mein Rauchverhalten. Wenn Du also Verhalten ändern möchtest, hilft es möglicherweise, Deine Umgebung zu verändern.

2. Ebene: Verhalten

Auf der zweiten Ebene beschreiben wir das Verhalten. Das wäre in unserem Fall Rauchen. Das Verhalten zu ändern wird jedoch von den unter- und übergeordneten Ebenen beeinflusst. Bleiben diese unverändert, wird es schwer, nur isoliert Gewohnheiten zu ändern. Genau das erlebst Du täglich.

3. Ebene: Fähigkeiten, Fertigkeiten

Veränderungen von Gewohnheiten bedeuten manchesmal, zusätzliches Wissen, zusätzlich Fähigkeiten und Fertigkeiten zu erwerben. In unserem Fall könnte die Gewohnheit Rauchen vielleicht dadurch leichter verändert werden, wenn wir wissen, welche Konsequenzen dieses Verhalten auf unsere Gesundheit hat. In anderen Themen müssen wir vielleicht ein bestimmte Fähigkeit erwerben, um unser Verhalten, unsere Gewohnheiten zu verändern.

4. Ebene: Überzeugungen

“Das Rauchen aufzugeben ist unendlich schwer. Ich glaube, ich werde das nie schaffen.” Wenn Du mit Rauchern sprichst, die das Rauchen aufgeben wollen, hörst Du ganz häufig diesen Satz. Abgesehen davon, dass dieser Satz falsch ist, erzeugt er ein Beharren in der alten Gewohnheit. Veränderung der Gewohnheit wird damit mental zu einem riesigen Berg, der eigentlich nicht zu bewältigen ist. Der Raucher wird weiterrauchen, auch wenn er das “eigentlich” ändern will. Bei gleichbleibenden Überzeugungen wird auch das Verhalten gleich bleiben.

Du kannst ja mal bezogen auf Deine Veränderungsthemen überlegen, welche Überzeugungen Du zu dieser Veränderung hast. Was glaubst Du?

5. Ebene: Identität

Aktuell wäre die Identität “Raucher”. Um eine Veränderung der Gewohnheiten zu erleichtern, stelle ich gerne die Frage: “Wer bist Du?”. Meist wird dann mit der aktuellen Identität geantwortet. Deshalb stelle ich die Frage oft zigmal, bis der Coachee versteht, dass er mit der Identität antworten sollte, die er nach der Veränderung sein will. Sobald die neue Identität bildhaft im Gehirn konstruiert ist, fällt es enorm viel leichter, Überzeugungen und Verhalten zu ändern.

Gewohnheiten machen unsere Identität aus

Wir stellen die Frage, wer wir sind. Und solange wir diese Frage im Hier und Jetzt beantworten, wird unser Verhalten so bleiben, wie es ist. Schlüpfen wir in eine neue Identität, dann werden sich unsere Überzeugungen, unser Wissen, unsere Fähigkeiten und Fertigkeiten verändern. Damit verändert sich unser Verhalten. Eigentlich ganz einfach – oder?

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